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Stephanusgemeinde Bensheim - Umgang mit Sterben und Tod

Aus dem Leben...

Umgang mit Sterben und Tod

BeerdigungIn den Ausgaben November 2010 bis März 2011 des Gemeindebriefs setzten wir uns mit dem Sterben, der Beerdigung und der Trauerbewältigung auseinander.

Zeitgleich mit dem Erscheinen der Bestattungsbroschüre der Stadt Bensheim möchten wir so auf Möglichkeiten, Gestaltungsweisen und Besonderheiten hinweisen, die sich mit dem Sterbefall verbinden.

 

Teil I: Die Sterbebegleitung

Teil II: Die Aussegnung

Teil III: Die Beerdingung

Teil IV: Das erste Trauerjahr

 

Teil I: Die Sterbebegleitung

Der Tod kennt viele Gesichter. Manchmal kommt er plötzlich und unerwartet, manchmal kündigt er sich durch einen langen Leidens- und Sterbeprozess an. Viele Menschen meiden das Thema. Und doch hat fast jeder und jede schon den Verlust eines nahen Menschen zu beklagen gehabt. Und so schwer es sein mag, sich dieser Wirklichkeit unseres Sterbens zu stellen, so hilfreich kann es auch sein, bewusst diese letzte Lebensphase anzunehmen und zu erkennen: Auch hier gibt es noch Gestaltungsmöglichkeiten – das kann manche Lähmung lösen. Die Sterbebegleitung: Nicht allen Menschen ist ein schneller Tod vergönnt. Manche Menschen sterben schrittweise. Es ist ein schwerer Weg, den sie bewältigen müssen. Umso wichtiger ist darum die Sterbebegleitung durch andere. Über das Sterben spricht niemand gerne offen. Doch es kann manchmal wie eine Brücke zu einem Sterbenden sein, ihn darauf anzusprechen. Vielleicht ist das für beide ungewohnt und zunächst unbehaglich. Und doch kann es die Chance für den Sterbenden sein, mit seinen Ängsten und seiner Wut, seiner Hoffnung und seiner Ohnmacht nicht allein zu sein, sein Schicksal nicht stumm ertragen zu müssen. Da, wo ich als Begleiter eine Hand halte und wo ich mich der Frage stelle: „Gibt es etwas nach dem Tod? Ich habe Angst!“, da spannen sich feine Kommunikationsfäden zwischen Menschen. Mut, das Wesentliche anzusprechen – vorsichtig, aber doch unbeirrt – zusammen zu schweigen und zu beten, zusammen zu weinen und zu lachen – all das sind Möglichkeiten dieses gemeinsamen Weges. An manchen Tagen mag das besser gehen als an anderen. Auch im Sterben sind nicht alle Tage gleich. Aber offene Augen und ein waches Herz, das sich dem anderen zuwendet und auch der eigenen Trauer über den bevorstehenden Verlust Raum schenkt, können helfen, auch die letzten Schritte noch mit Wesentlichem zu füllen. So kann man Wichtiges noch austauschen und lernen, einander gehen zu lassen. Ein Prozess, der sehr schmerzhaft ist, aber dennoch so wichtig für den Sterbenden wie für seinen Begleiter.

Pfarrer Christian Ferber

Teil II: Die Aussegnung

aussegnung_20110522Wenn ein Mensch im Sterben liegt, kann er oder sie durch einen Segen für diesen letzten Weg im Leben gestärkt werden. Es ist für ihn oder sie die Möglichkeit, bewusst vom Leben Abschied zu nehmen. Für Angehörige ist eine solche Aussegnung ebenfalls eine Hilfe. Als Angehörige können Sie immer Ihren Pfarrer oder Ihre Pfarrerin dazu rufen, um dieses Ritual der Aussegnung zusammen mit Ihnen zu begehen. Auch vor den Angehörigen liegt ja ein schwerer Weg – der Weg der Trauer. Es ist gut, wenn Sie dafür gestärkt werden – mit einem Ritual, das schon vielen anderen Menschen geholfen hat. Die ursprüngliche Bedeutung der Aussegnung geht zurück auf Zeiten, in denen die Menschen meistens zu Hause starben. Die Hinterbliebenen nahmen von dem verstorbenen Menschen Abschied, bevor der Sarg aus dem Haus getragen wurde. Die Aussegnung kann heute zu Hause, im Krankenhaus oder an einem anderen Ort des Sterbens stattfinden. Dazu kann ein Kreuz aufgestellt und eine Kerze entzündet werden. Der Pfarrer oder die Pfarrerin oder auch Angehörige, Freunde, Nachbarn beten miteinander, hören ein Wort aus der Bibel, verabschieden sich vom Sterbenden oder Verstorbenen mit einem letzten Wort oder mit Schweigen. Alles hat hier Zeit und Raum: Der letzte Händedruck, die letzte Umarmung, ein Lied, Weinen oder Klagen. Auch was uns wichtig ist und war in der gemeinsam verbrachten Zeit, die jetzt zu Ende geht, können wir hier noch einmal aussprechen. Der Sterbende oder Verstorbene wird noch einmal gesegnet. Damit lassen wir diesen Menschen nicht einfach nur los, sondern übergeben ihn in Gottes gute Hände. Aber auch den Hinterbliebenen wird Segen zugesprochen, für alles, was vor ihnen liegt. Wir möchten Sie ermutigen, mit Ihrem Pfarrer oder Ihrer Pfarrerin bereits dann den Kontakt aufzunehmen und um die Aussegnung zu bitten, wenn Sie vermuten, ein lieber Mensch könnte sterben. Aber auch dann, wenn der Tod bereits eingetreten ist, egal an welchem Ort, ist die Aussegnung ein hilfreiches und stärkendes Ritual.

Pfarrerin Almut Gallmeier

Teil III: Die Beerdigung

friedhof106_4802_cmyk_0_20110519Die Beerdigung eines verstorbenen Menschen ist eines der ältesten religiösen Rituale in der Menschheitsgeschichte. Nach evangelischem Verständnis hat sie in erster Linie eine lebensdienliche Funktion: Sie hilft den Angehörigen, den Abschied eines ihnen nahe stehenden Menschen zu gestalten. Sie gibt Menschen durch ihre klare Gliederung – in der Regel mit dem Trauergespräch, der Trauerfeier in der Trauerhalle oder Kirche sowie der Grablegung – ein Geländer an die Hand, an dem sie sich festhalten und orientieren können. Das ist in einer schwierigen Lebensphase, die oft von den widersprüchlichsten Gefühlen und nicht selten von einem inneren Ausnahmezustand begleitet ist, eine wichtige wie segensreiche Funktion. Wenn man die einzelnen Phasen der Beerdigung näher betrachtet, hat jede ihren eigentümlichen Sinn: Das Trauergespräch öffnet das Tor der Erinnerung. Gemeinsam mit den Angehörigen unter Tränen und manchmal auch mit Lachen die Lebenslandschaft abzuschreiten, mit all den Höhen und Tiefen im Leben des Verstorbenen, mit all den leichten und schweren Wertungen, die damit einhergehen – das ist ein erster Schritt der Verarbeitung. Die Trauerfeier eröffnet einen liturgischen Rahmen des Abschiednehmens: Da sind die Psalm- und Bibelworte, die dem Tod einen christlichen Deutungsrahmen schaffen; und das bedeutet, Hoffnung zu geben. Da ist die Ansprache, die das Leben des Verstorbenen noch einmal im Lichte seines Schöpfers, der dieses Leben gewollt und begleitet hat, nachzeichnet und beleuchtet. Und schließlich weisen die Lieder der Trauerfeier mit ihrem aufsteigenden Klang einen Weg nach oben, zum Himmel. Mit der Grablegung wird schließlich ein Punkt gesetzt. Hier ist die letzte Ruhestätte. Hier ist der Ort, an den Angehörige immer wieder kommen können, um Zwiesprache zu halten, um zu beten oder auch einfach nur still auszuhalten. Denn hier steht der Name. „Und nun spricht der HERR, der dich geschaffen hat, Jakob, und dich gemacht hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“ (Jes 43,1). Jedes Leben, das ein Mensch gelebt hat – egal, ob vermeintlich erfolgreich oder erfolglos – trägt eine einzigartige Handschrift. Und darum ist es gut, dass es den Grabstein mit dem eingravierten Namen gibt. Als Christen glauben wir: Jeder und jede, ob alt oder jung, reich oder arm, angesehen oder unscheinbar, erhält mit seinem Namen im Angesicht seines Schöpfers Wert und Würde. Aus diesen Gründen halten wir Pfarrerinnen und Pfarrer anonyme Beerdigungen für unangemessen. Kein Mensch hat es verdient, versteckt vergraben zu werden, ohne dass irgendetwas an ihn erinnert; ohne dass Angehörige einen Ort haben, zu dem sie gehen können. Aus Erfahrung wissen wir: Das macht den Ablösungsprozess eher schwieriger als einfacher. Der Grabstein mit Namen – egal ob Urne oder Erdgrab – ist ein Punkt, zu dem ich gehen kann – und von dem aus ich auch wieder neu ins Leben starten darf. Eines noch ist wichtig. Es gibt keine richtige oder falsche Form der Trauer. Manche Menschen tun sich im Trauergespräch schwer mit dem Erzählen, aus manchen Menschen sprudeln die Erinnerungen nur so heraus. Manchen Menschen ist es wichtig, schon früh in der Trauerhalle zu sitzen und noch einmal innere Zwiesprache zu halten. Andere Menschen kommen erst kurz vor Beginn in die Trauerhalle, weil sie die dort herrschende Atmosphäre nur schwer ertragen können. Manche Menschen schüttelt die Trauer während der Trauerfeier, manch anderer ist wie innerlich erstarrt – auch noch am Grab. Auch die Trauer kennt viele Gesichter. Aber all diese verschiedenen Weisen haben ihr gleiches Recht, weil es nur die je eigene Form des Abschieds gibt. Eine christliche Beerdigung möchte diesen individuellen Abschied ermöglichen und fördern, vor allem aber bei allem Schmerz und bei aller Trauer unter das Vorzeichen der Hoffnung stellen, die in der Auferstehung Jesu Christi ihren Grund und ihr Ziel findet. „Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind.“ (1.Kor 15,20).

Pfarrer Christian Ferber

Teil IV: Das erste Trauerjahr

trauer106_4602_cmyk_okapia_20110519Wie sich Trauer um einen geliebten Menschen ausdrückt, ist so vielfältig wie die Menschen selbst. Wie ein Mensch trauert, hängt stark mit seiner Persönlichkeit zusammen. Die Trauer reicht dabei weiter als nur ein Jahr. Aber im ersten Trauerjahr beginnt der Mensch, verschiedene Trauerphasen zu durchlaufen. Und obwohl sich die Trauer bei jedem Menschen unterscheidet, ist es möglich, allgemeine Aussagen über diese Phasen zu machen. Im Folgenden möchten wir Ihnen die Trauerphasen kurz vorstellen, z.B. um einen Trauernden besser verstehen zu können oder um sich auch über den eigenen Trauerprozess klarer zu werden. Der Theologe Yorick Spiegel unterscheidet in seinem Buch „Der Prozess des Trauerns“ vier Phasen der Trauer. Diese vier Phasen lösen jedoch nicht immer einander ab, sondern überschneiden sich auch häufig und sind unterschiedlich ausgeprägt. Die erste Phase nennt Yorick Spiegel die „Phase des Schocks“. Sie beginnt unmittelbar, wenn ein Mensch die Nachricht vom Tod eines ihm nahestehenden Menschen erhält. Die erste Reaktion auf die Todesnachricht ist zumeist Ungläubigkeit, vor allem, wenn die Nachricht völlig unerwartet kommt. Diese Phase ist meistens relativ kurz. Ihr folgt die zweite Phase, die „Phase der Kontrolle“. Gekennzeichnet ist diese Phase einerseits durch die Kontrolle, die der oder die Trauernde sich selbst gegenüber ausübt und andererseits durch die Kontrolle, die Angehörige, Freunde, Bestatter, Pfarrer usw. ausüben, um eine angemessene Bestattung des Verstorbenen durchzuführen. Häufig nehmen sich die Trauernden selbst in dieser Phase als passiv wahr, teilweise auch wie getrennt von anderen Menschen und der Welt, die für sie unwirklich geworden ist. Möglich sind dabei Erfahrungen von Leere und sogar das Gefühl der Distanz vom eigenen Ich bzw. des „Zerbrechens“ und „Auseinanderfallens“. Einen geliebten Menschen zu verlieren heißt auch, seine Liebe, seine Liebeszuwendung zu verlieren. An deren Stelle kann das Gefühl treten, dass man selbst nun weniger wert, „leer“ ist – dessen beraubt, was einem das Dasein erfüllt hat. Die Selbstkontrolle des Trauernden erfordert dabei viel Energie. Trotzdem kann der Trauernde in dieser Zeit überaktiv sein, wobei es ihm jedoch schwerfällt, die alltägliche Routine fortzusetzen. Die dritte Trauerphase bezeichnet Yorick Spiegel als „Regressive Phase“. Der oder die Trauernde erkennt schrittweise den Verlust der Fülle, die ihn oder sie mit dem verstorbenen Menschen verbunden hatte. Um diesen Verlust zu bewältigen – und im besten Fall das eigene Leben später neu organisieren zu können –, zieht sich der Trauernde zunächst in sich zurück und überlässt sich dem Leid und dem Gefühl der Hilflosigkeit, das sich – manchmal erst hier – durch Weinen und Klagen, aber auch Aggression äußern kann. Welches Ende dieser Prozess des Leidens nehmen wird, ist für den Trauernden selbst nicht voraussehbar. Alle Energie wird dafür aufgewendet, nicht völlig zusammen zu brechen, sondern ein gewisses Maß an „normalem“ Verhalten aufrecht zu erhalten; für vieles andere bleibt keine Energie übrig. Plötzliches Interesse an religiösen Fragen wie starke Glaubenszweifel können in dieser Phase auftreten. Auch Schuldgefühle gegenüber dem verstorbenen Menschen und Angst vor der eigenen Zukunft sind in dieser Zeit häufig. Nur schrittweise kann sich der oder die Trauernde aus den regressiven Formen lösen und sie durch andere Formen ersetzen. Wobei der Verlauf der Trauer nie voraussagbar ist – es gibt keinen „normalen“ Trauerverlauf, sondern er ist je nach Mensch und Situation unterschiedlich. Für viele Trauernde beginnt irgendwann schrittweise die vierte Phase, die „Phase der Adaption“. Der Trauernde lernt, den verstorbenen Menschen freizugeben. Er erinnert sich an ihn, so wie er war und organisiert und strukturiert sein Leben schrittweise neu. In diesen verschiedenen Phasen der Trauer, wie lange sie auch andauern mögen, sind Trauernde auf hilfsbereite und vor allem verständnisvolle Menschen angewiesen, die den Ausdruck ihrer Trauer aushalten können. Wir Pfarrerinnen und Pfarrer bieten in dieser Zeit die Möglichkeit zum Gespräch und zur seelsorgerlichen Begleitung an. Wenn Sie sich vielleicht selbst bei der Begleitung eines trauernden Menschen überfordert sehen, können Sie auch gerne Kontakt mit uns aufnehmen, wir sind für Sie da.

Pfarrerin Almut Gallmeier