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Gott ist Liebe und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.
(1. Johannes 4,16)

Liebe Gemeinde,
ein schönes Wort der Liebe steht über dem schönen Monat August. Mit dem Wort Liebe verbinden wir ja gemeinhin eine ganze Wagenladung von Vorstellungen, Träumen und Erwartungen. Sie ist Thema von unzähligen Serien, Büchern und Liedern und seit es Emojis gibt, beherrscht ja eine Invasion von unsere digitalen Nachrichten. Dennoch ist die Liebe nichts, was wir festhalten, besitzen oder tatsächlich begreifen könnten. Oft genug trauen wir sie uns noch nicht mal zu oder schrecken zurück vor dem, was sie in uns auslösen könnte.

Der erste Johannesbrief setzt Gott mit der Liebe gleich und diese Seinsaussage über Gott ist ausschließlich. Es wird nicht präzisiert, welche Liebe gemeint ist – die Liebe von Eltern zu ihrem Kind? Die tätige Liebe zum Mitmenschen? Die erotische Liebe zwischen zwei Menschen? –, sondern Gott wird allumfassend mit Liebe gleichgesetzt. Gott ist die Liebe, Punkt. Ist das demnach nur allgemeines Blabla, ein nettes biblisches Wort, beliebt als Trauspruch, ansonsten folgenlos?

Sicher nicht, denn dieses Wort bedeutet auch: Gott liebt ohne Einschränkung. Monatsspruch August Andacht Nicht naiv, nicht blind, nicht zeitlich begrenzt, für einen „Lebensabschnitt“, sondern unbegrenzt und mit dem tiefen Blick in unser Innerstes auf das, was wir wirklich sind. Ist dies nicht die Liebe, nach der wir uns sehnen – geliebt werden, so wie ich bin, mit allem, was zu mir gehört? Eine solche Liebe begegnet uns in Gott.

Diese umfassende Liebe Gottes können wir uns nicht verdienen, wir können sie aber staunend empfangen. Und erwidern. So wird auch von Jesus, der immer wieder die Liebe gepredigt hat, das Doppelgebot der Liebe das höchste Gebot genannt: „Du sollst den HERRN, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt. Dies ist das höchste und größte Gebot“, so sagt Jesus. Und fügt hinzu: „Das andere aber ist dem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ (Markus 12, 29-31).

Beide Liebesgebote sind Urgebote des Judentums, die Jesus hier aus der jüdischen Bibel zitiert.
Das heißt: Gottes Liebe, die unser Herz erreicht, geben wir zurück. An Gott, an Mitmenschen. So bleiben wir in der Liebe und Gott in uns – indem wir selbst lieben.

Aber wir Menschen erreichen Liebe immer nur teilweise. Nie ist sie perfekt, nie sind und bleiben wir ein für allemal in der Liebe. Auch als Christinnen und Christen müssen wir immer wieder darum ringen, in der Liebe zu bleiben. Doch weil die Liebe von Gott kommt, blüht in all unserer Liebe auch etwas von Gott auf. Auch wenn unsere Liebe, nach menschlichen Maßstäben gesprochen, scheitert, an ihre Grenzen kommt. Und hier kommt das Kreuz Jesu ins Spiel, denn hier ist Gottes Liebe konkret geworden. Ausgerechnet im Bild des Scheiterns, im Sterben eines Menschen am Folterwerkzeug der Mächtigen. Doch diese Liebe bleibt durch den Tod hindurch mächtig. Sie stirbt nicht ab, wird nicht überwunden durch den Triumph des Hasses, sondern ersteht immer wieder neu, wie das Licht des Morgens nach der Nacht. So ist sie, die göttliche Liebe, an die wir uns halten können, auch wenn unsere eigene Liebe unvollkommen bleibt.

Vielleicht wäre es nicht verkehrt, anstelle jeden Tag tausend Herzen und Kussmund-Emojis in unseren Nachrichten zu senden, darauf zu achten, ob meine digitalen Nachrichten denn immer standhalten können am Gebot der Nächstenliebe. Wie schnell sind Ärger oder vorschnelle Urteile hinein getippt in die digitale Welt, wie leicht geht das doch, weil ich anonym bleiben kann oder die verletzten Gefühle des anderen nicht wahrnehmen muss! Aber Nächstenliebe heißt, Verantwortung zu übernehmen mit dem, was ich tue und heutzutage besonders auch mit dem, was ich von mir gebe in Kommentaren und sozialen Netzwerken.

Lieber zweimal überlegen, bevor ich weiter tippe – das kann der Liebe Vorschub leisten, auch wenn ich die, denen oder über die ich schreibe, nicht (mehr) lieben kann. Denn hier geht es nicht vorrangig um Emotionen, sondern um #Respekt, auch das ist tätige Liebe. Wie ich mich digital verhalte, ist immer auch ein Signal an alle, die mitlesen. Ich kann mithelfen, zu vermeiden, dass sich medialer Hass auf einzelne Menschen oder Menschengruppen immer weiter ausbreitet.

Wer in der Liebe bleibt … ganz schön konkret also, dieser Hinweis aus dem 1. Johannesbrief, eine gute Handlungsanweisung für den Alltag!

Viele gute und liebevolle Begegnungen, auch in der Stephanusgemeinde, wünscht Ihnen

Ihre Pfarrerin
Almut Gallmeier