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Stephanusgemeinde Bensheim - Monatsandacht

joomplu:1216

Ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll. (Röm 8,18)

Sie sitzt im Rollstuhl, vor ihr auf dem kleinen Tisch in der Essecke des Seniorenheims stehen eine Kerze, die nicht brennt, ein Teller mit einem Stück Kuchen und eine Tasse Kaffee. Ein kleiner Strauß mit Blumen steht auch dort und eine Geburtstagskarte mit dem Bild einer Blumenwiese.

Sie ist dement, haben mir die Schwestern gesagt und angeboten, dass ich die Geburtstagskarte der Kirchengemeinde gerne bei ihnen abgeben kann, sie würden sie ihr dann später auf den Tisch stellen. Ich habe dankend abgelehnt und stehe nun vor der alten Dame. 90 Jahre alt wird sie heute, auch wenn sie selber das wahrscheinlich nicht weiß.

Ich gehe neben ihr in die Hocke, schaue ihr in die Augen, schüttle ihre Hand und wünsche ihr Gottes Segen zu ihrem Ehrentag. Sie strahlt über das ganze Gesicht. Als ich ihr den Brief, die Urkunde und ein kleines Buch überreiche, sagt sie ganz fassungslos: „Das ist alles für mich?“ Ich nicke und lege es vor sie. Sie nimmt meine Hand und bedankt sich. Immer noch strahlt sie. Ich bleibe noch eine paar Minuten bei ihr, sie hält meine Hand und bedankt sich immer und immer wieder.

Als ich gehe, sitzt sie wieder ganz in sich versunken an ihrem Platz. Der Moment, den wir geteilt haben, ist vorbei.

 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

an diese Begebenheit habe ich mich erinnert, als ich den Monatsspruch für Februar das erste Mal gelesen habe. Der Apostel Paulus schreibt im achten Kapitel des Römerbriefs darüber, dass alles, was wir jetzt in dieser Welt erleiden und erdulden müssen, nicht ins Gewicht fällt, denn Gottes Herrlichkeit wird an uns offenbart werden, sein Reich wird kommen und in diesem haben Leid und Schmerz keinen Platz.

Seine Worte, die so schnell nach Vertrösten klingen, sind – liest man sie im Zusammenhang des ganzen Kapitels – das Gegenteil. Paulus macht Leid und Schmerz nicht klein, aber er stellt beidem etwas gegenüber. Er schreibt von Gottes Liebe, von der uns nichts, aber auch gar nichts trennen kann, er schreibt von Hoffnung und von der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes, die uns nach der Erlösung der Schöpfung erwartet.

Paulus macht das Leid nicht klein, er weiß, dass das Leben in dieser Welt für Christinnen und Christen nicht ohne schmerzvolle Erfahrungen ist, nicht ohne diese Erfahrungen sein kann, weil diese Erfahrungen zu unserem Leben gehören. Aber Paulus zeigt uns eine neue Perspektive: Gottes Liebe wird Leid und Tod besiegen. 

Gottes Herrlichkeit wird das letzte Wort haben und wir können unser Leben schon jetzt im Licht dieses Versprechens leben. Paulus Worte erinnern uns daran: Diese Welt ist nicht das Ende. Wenn uns hier manchmal alles bruchstückhaft, unvollkommen und vergänglich scheint, wenn es um uns herum dunkel ist, wenn wir trauern oder verzweifelt sind, dürfen wir hoffen, auf das, was kommen wird.

Und manchmal, da geschieht es schon jetzt, da erhalten wir eine Ahnung davon, wie es sein könnte, wenn Gottes Liebe alle Vergänglichkeit und alles Leid überwindet. Einen kurzen Moment leuchtet uns der Glanz seiner Herrlichkeit an und wir sehen uns und unseren Nächsten als das, was wir sind und immer sein werden: Gotteskinder.

Ihre Pfarrerin
Astrid Maria Horn