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Gott spricht: Ich will unter ihnen wohnen und will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein.“ (Ez 37,27)

Liebe Gemeinde,
dieser Tage sprach mich jemand nach dem Gottesdienst an: „Kennen sie eine bezahlbare Wohnung, Frau Beckmann? Ich suche da was für eine Familie. Mit kleinen Kindern, wissen Sie, das ist wirklich schwer zu finden.“ Wohnraum ist knapp in Bensheim. Nicht nur für Menschen, die zu uns kommen und endlich ein Zuhause für sich und ihre Familie suchen.

Wie wohnen wir, was reicht uns zum Leben, was ist schon Luxus? „Ja, jedes Kind braucht ein eigenes Zimmer, das ist wirklich nötig,“ so fiel ein Satz in einem Taufgespräch. Was bedeutet es uns, wie wir wohnen und haben wir da noch Platz für den, von dem der Prophet Ezechiel sagt: „Ich will unter euch wohnen“? Der Prophet Ezechiel – von Martin Luther eingedeutscht als „Hesekiel“, gehörte zu den Judäern. Diese wurden 597 vor Christus nach Babylon deportiert. Der Prophet wirkte dort von 593 bis 571 v. Chr. Alle Hoffnung (bei Hesekiel) richtet sich auf Gott. Gott spricht: „Ich will unter ihnen wohnen und will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein.“ Was für eine Zusage. Und wir heute? Machen wir Gott Raum bei uns, heißen wir ihn willkommen?

Gott will auch bei uns wohnen, eine Bleibe finden, uns nahe sein und uns berühren. Da höre ich eine Frage: „Ist ein Platz frei, haben wir einen Raum in der Herberge?“ Das kennen wir alle: Jemand kommt in den Saal, zum Frauenfrühstück oder zum Gottesdienst und schaut sich nach einem freien Platz um. Und was sagen wir? „Schon besetzt, freigehalten für ...“ oder „herzlich willkommen“?

Ich erlebe die Stephanusgemeinde als offene Gemeinde, gastfreundlich und zugewandt. Setzen wir uns dafür weiterhin ein, dass Gott einen Platz bekommt? Rechnen wir mit ihm? Gott will unser Mitbewohner sein auf Erden, in unserer Gesellschaft, in der Gemeinde, in meinem Alltag.

Advent steht bevor: „Ankunft“ – kommt Gott/Christus bei mir/bei uns an? Gottes Wille, bei uns zu wohnen und unser Gott zu sein, gilt unverändert auch für uns. Für jeden und jede und für uns als Gemeinde. Für diese herbstlichen dunklen Tage wünsche ich uns in vielen persönlichen Begegnungen, in Gebeten und in Zeiten der Stille, dass wir unser Herz für Gottes Sehnsucht öffnen. Denn: Gott kommt zu uns von ganz weit „oben“. Er ist bereits da. Gott kommt zu uns – und wohnt ganz weit unten. Gott kommt zu uns, damit wir zu Gott kommen. Oder, wie es in einem wunderschönen Gesangbuchlied heißt (EG 165, 8): „Herr, komm in mir wohnen, lass mein’ Geist auf Erden dir ein Heiligtum noch werden; komm, du nahes Wesen, dich in mir verkläre, dass ich dich stets lieb und ehre. Wo ich geh, sitz und steh, lass mich dich erblicken und vor dir mich bücken.“ Gott spricht: Ich will unter ihnen wohnen und will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein. Ez 37,27

Liebe Stephanusgemeinde, seit 1. März bin ich Ihre „Vertretungspfarrerin“. Ich hatte schöne Begegnungen und gute Stunden in Ihrer Gemeinde und unter Ihrem Dach. Danke für das Vertrauen und die Offenheit, mit der Sie mir begegnet sind. Schnell ist die Zeit dahingeflogen. Miteinander haben wir Gottesdienst gefeiert, Konfi-Wochenenden gestaltet, in netter Runde zusammen gesessen. Ich habe Menschen zum Geburtstag besucht, Kinder getauft, und andere sind mit meiner Begleitung zu Grabe getragen worden. Noch stehen schöne Treffen zum Beispiel im Advent aus. Ein buntes Mosaik in einer bunten lebendigen Gemeinde. Danke.

Zum Ende des Jahres werde ich die Gemeinde wieder verlassen und hoffe von Herzen, dass sich ein Bewerber oder eine Bewerberin für die halbe Pfarrstelle findet. Ich danke besonders Pfarrerin Almut Gallmeier und Heike Matthes-Kreysler im Büro und dem gesamten Kirchenvorstand für die vertrauensvolle Zusammenarbeit.
Bleiben Sie behütet!

Ihre / Eure Pfarrerin
Steffi Beckmann